Übermäßigen Haarausfall bemerken – krankheitsbedingter Haarausfall oder natürliche Ursache?

In Deutschland sind 40 % der Männer und 20 % der Frauen von Haarausfall betroffen.

Ein Haarverlust von etwa 100 Haaren am Tag ist nicht besorgniserregend, sondern normal. Es ist ein natürlicher Prozess. Die Kopfhaut „entsorgt“ die Haare, die ihren Lebenszyklus durchlaufen haben und schafft so Platz für neue. Fallen die Haare auf einmal büschelweise aus oder treten kahle Stellen auf, sollte man einen Arzt aufsuchen. Dieser kann die Ursache aufklären und eine Therapie einleiten.

Die Wachstumsphasen der Haare

Unsere Haare bestehen aus Keratin. Den gleichen Stoff, aus dem auch unsere Nägel gemacht sind.

Sie werden in den sogenannten Follikeln gebildet und wachsen in 3 Phasen:

 

Die Wachstums- oder Anagenphase Jetzt bilden sich die Haarzellen in den Follikeln. Das Haar wächst. In dieser Phase befinden sich in etwa 85 % des Kopfhaares gleichzeitig. Dabei haben sie einen hohen Nährstoffbedarf. Diese Wachstumsphase kann zwei bis sechs Jahre dauern und bestimmt auch die Maximallänge, die die Haare erreichen können
Die Übergang- oder Katagenphase
Dies ist die Übergangsphase. Hier verringert sich das Wachstum. Die Haarwurzel verhärtet sich und wird langsam nach oben geschoben. Etwa zwei Prozent der Haare befinden sich in dieser Phase, welche um die zwei Wochen dauert.
Die Ruhe-oder Talogenphase Dies ist die Phase der Regeneration. In dieser Phase wird die Haawurzel abgestoßen und das Follikel regeneriert sich. Etwa 13% der Haare befinden sich in dieser Phase. Sie dauert ungefähr zwei bis vier Monate. Danach beginnen in den Follikeln wieder die Haare zu wachsen.

Die Wachstumsphasen zeigen, dass alle Haare einmal ausfallen. Jedoch sollte es zeitversetzt passieren, sodass es nicht sichtbar ist.

 

Wie kommt es zu Haarausfall

Die Gründe für vermehrten Haarausfall sind vielfältig.

Es können die Gene eine Rolle spielen, gewisse Krankheiten, eine falsche oder einseitige Ernährung oder permanenter und belastender Stress.

Wird das Haar zum Beispiel in der 1. Wachstumsphase nicht mit genügend Nährstoffen versorgt, wir es vorzeitig abgestoßen. Es kommt zu vermehrten Haarausfall.

Krankheiten können auch die Ruhephase der Follikel verlängern. Oder im schlimmsten Fall die 1. Wachstumsphase Komplet aussetzten lassen.

Um herauszufinden, ob man unter krankhaftem Haarausfall leidet oder nicht, sollte man sich den Verlauf des Haarausfalls genauer beobachten und dokumentieren.

 

Arten des Haarausfalls

Treten plötzlich kreisförmige kahle Stellen auf? Habe ich Haarausfall nach dem Kämmen? Wird mein Haar am Hinterkopf dünner?

 

Androgenische Alopezie

Die häufigste Form des Haarausfalles ist die androgenetische Alopezie. Laut Statistik leiden etwa 70% der Männer und etwa 20% der Frauen unter diesem genetisch bedingten Haarausfall.

Als erstes Symptom der Androgenischen Alopezie sind bei Männern Geheimratsecken, die immer höher werden. Im weiteren Verlauf fallen die Haare am Hinterkopf aus und es bildet sich eine Tonsur. Geheimratsecken und Tonsur verbinden mit der Zeit, und es entsteht eine Glatze einem Haarkranz zwischen den Ohren.

Erblich bedingter Haarausfall bei Frauen erkennt man durch den immer breiter werdenden Scheitel. Eine vollständige Glatze ist bei Frauen eher selten.

 

Alopecia Areata

Bilden sich plötzlich kahle kreisrunde Stellen, kann dies ein Symptom des kreisrunden Haarausfalls sein. Hierbei handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung. Ohne ersichtlichen Grund identifiziert das Immunsystem die Haarfollikel als Fremdkörper. Infolgedessen bilden sich Entzündungen und die Haare fallen aus.

 

Diffuser Haarausfall

Die Gründe für diffusen Haarausfall sind vielfältig. Das kann beispielsweise Stress sein oder aber unerwünschte Nebenwirkungen von Medikamenten.

Des Weiteren kann es hormonell bedingt zu diffusem Haarausfall kommen. So kann eine Fehlfunktion der Schilddrüse vorliegen oder nach der Schwangerschaft können Frauen vermehrt Haare verlieren.

Sogar eine Corona Erkrankung kann die Ursache von diffusem Haarausfall sein, da das Immunsystem erheblich gestört ist.

Bei dieser Form des Haarverlusts fallen die Haare gleichmäßig über den Kopf verteilt aus. Das kann so weit gehen, dass die Kopfhaut beginnt durchzuscheinen.

 

Temporale dreiecksförmige Alopezie

Hier fehlen Haare im Schläfenbereich, also an der Haargrenze. Die temporale dreiecksförmige Alopezie kann auch einseitig auftreten und ist angeboren. Dem Betroffenen fehlen in diesem Bereich die Haarfollikel.

 

Vernarbendem Haarausfall

Bei dem vernarbenden Haarausfall fallen die Haare asymmetrisch aus. Häufig tritt sie so langsam auf, sodass sie lange unbemerkt bleibt. Erkennbar ist sie durch die Narben, die sich nach dem Ausfallen der Haare an den Follikeln bilden.

Bei diesen Symptomen kann es sich unter anderem um folgende Krankheiten handeln:

  • Chronisch-diskoider Lupus erythematodes
  • Knötchenflechte
  • Folliculitis delcavans
  • Tinea Capitis (Kopfpilz)
  • Akne (diese kann auch die Kopfhaut betreffen)
  • Pseudopelade Brocq

Wann ist es Zeit, einen Spezialisten aufzusuchen?

Dauert der Haarausfall schon über einen längeren Zeitraum an oder verstärkt sich, sollte man einen Arzt aufsuchen. In vielen Fällen lässt sich der Haarausfall stoppen, insbesondere dann, wenn es sich um diffusen Haarausfall handelt. Dieser ist in der Regel reversibel.

Der Arzt wird zunächst eine Anamesegespräch führen. Dieses wird beispielsweise die Intensität des Haarverlusts beinhalten. Eventuell wird er auch eine Haarprobe nehmen, um den Ursachen genauer auf den Grund zu gehen.

Unbedingt in ärztliche Hände gehören auch die seltenen Formen des vernarbenden Haarausfalls. Da dies ein Symptom einer ernsthaften Erkrankung sein kann.

 

Die Behandlung von Haarausfall

Steht die Ursache fest, kann man mit der Behandlung beginnen.

Beim erblich bedingten Haarausfall reagieren die Haarwurzeln empfindlich auf das Androgen DHT, welches wiederum aus dem männlichen Hormon Testosteron gebildet wird. Die Wachstumsphase wird extrem verkürzt, bis irgendwann überhaupt keine Haare mehr nachwachsen.

Ist die androgenetische Alopezie noch nicht allzu weit fortgeschritten, kann sie eventuell mit Haarwuchsmitteln wie Minoxidil behandelt werden. Allerdings lässt sich diese Form des Haarausfalls damit nicht stoppen. Das Einzige, was langfristig und dauerhaft hilft, ist eine Haartransplantation.

Beim kreisrunden Haarausfall können nur die Symptome behandelt werden. Da es sich um eine Autoimmunerkrankung handelt, sind die Ursachen noch nicht abschließend erforscht. Diese Erkrankung gehört definitiv in die Hand eines Arztes.

Bevor der diffuse Haarausfall behandelt werden kann, muss zunächst die Ursache feststehen. In manchen Fällen regelt sich das Haarwachstum von alleine wieder, in anderen Fällen wiederum muss man auf Medikamente oder Haarwuchsmittel zurückgreifen.

 

Wenn die Haare trotzdem nicht mehr nachwachsen

Bei einer Traktionsalopezie (mechanischer Haarausfall) und bei einer temporalen dreiecksförmigen Alopezie können die kahlen Stellen, die durch fehlende oder zerstörte Follikel entstanden sind, mit einer Haartransplantation wieder aufgefüllt werden.

Auch bei Androgenische Alopezie oder wenn die Haare nach diffusem Haarausfall nicht nachwachsen, kann eine Eigenhaarverpflanzung Abhilfe schaffen.

Anders sieht es bei den verschiedenen Formen von vernarbendem Haarausfall oder Alopecia Areata aus. Hier müssen die Erkrankungen komplett ausgeheilt sein, bevor eine Haartransplantation möglich ist. Denn es besteht die Gefahr, dass die Erkrankungen schubweise auftreten und auch die verpflanzten Follikel wieder ausfallen.

 

Literaturangaben:

Wolff H, Fischer TW, Blume-Peytavi U: The diagnosis and treatment of hair and scalp diseases. Dtsch Arztebl Int 2016; 113: 377–86. DOI: 10.3238/arztebl.2016.0377

 

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